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Seit 2014 gibt es Chance für Jeden FRG e.V.

Im Frühjahr 2014, als die Übernahme der ARBEUS, einer Einrichtung für Langzeitarbeitslose mit Mehrfachbelastung in Freyung, durch eine namhafte caritative Einrichtung erfolgte, standen plötzlich alle Teilnehmer dieser Einrichtung auf der Straße. Das war eine katastrophale Situation, denn es handelte sich um Menschen, die gerade dabei waren, sich an einen geregelten Tagesablauf und eine geregelte Arbeitszeit mit allen Pflichten und Aufgaben zu gewöhnen. Von heute auf morgen standen sie vor dem Nichts. Der letzte Arbeitstag, der 30.April 2014, bleibt mir unvergessen. Erwachsenen Männern und Frauen liefen Tränen über die Wangen. Es war die pure Angst vor der Zukunft.

Genau die Einrichtung, die unter der hoffnungsvollen Bezeichnung "ARBEUS Arbeitsgemeinschaft für Beschäftigung und Umweltschutz" 15 Jahre lang zu einer beruflichen Heimstätte für viele Langzeitarbeitslose mit Mehrfachbelastung geworden war und nur zu diesem Zweck unter Beistand des Landkreises, der Diözese Passau und unter der Trägerschaft der KAB gegründet wurde, verweigerte unter neuem Betreiber die Erfüllung seiner Zweckaufgabe. Und alle sahen tatenlos zu.

Viele der damaligen Teilnehmer waren einfach noch nicht soweit, ein selbstbestimmtes "normales" Leben zu führen. Es schmerzt unendlich, dass meine Befürchtungen in schlimmster Form und in kürzester Zeit wahr wurden: Drei Alkoholtote und zwei Drogentote. Meiner Meinung nach die direkte und logische Folge des damaligen Projektendes. Der Verlust der täglichen Arbeit, vor allem auch der Verlust der Projektgemeinschaft führte dazu, dass sie in alte Verhaltensmuster verfielen. Ihr Tod wird deshalb von mir als die Folge menschenverachtender Ignoranz, als höchstverachtenswerte Inkaufnahme des Verlustes des Lebens von Menschen betrachtet, die den Schutz der Gesellschaft dringend benötigt hätten.

Um das Schlimmste zu vermeiden, haben wir noch im April 2014 diesen Selbsthilfeverein unter schwierigsten Voraussetzungen gegründet. Ohne jede Unterstützung durch die Kommunalpolitik und das Jobcenter Waldkrichen, leisteten wir sofort gute Arbeit. Schon im Jahre 2015 wurde uns durch den damaligen Regierungspräsidenten Heinz Grunwald der "Niederbayerische Integrationspreis" überreicht. Trotzdem, nicht ein einziger kommunaler Auftrag ging an unseren Beschäftigungsverein. Wären nicht die vielen Privatleute, für die wir Rasen mähen, Hecken schneiden, Häuser entrümpeln und viele andere Tätigkeiten ausführen und gäbe es nicht die gutherzigen Geldspenden der Geschäftsleute, könnten wir schon lange nicht mehr existieren.

Wir haben in die Flüchtlingshilfe viel Zeit und Geld investiert. Vom Staat ist nichts zurückgeflossen. Die großen Wohlfahrtseinrichtungen der Kirchen hingegen, die Diakonie und Caritas, sollen allein im Jahre 2015 über 300 Millionen Euro Gewinn mit der Flüchtlingshilfe gemacht haben. Eine weitere Zahl relativiert die tatsächliche Wohlfahrtsleistung der sich immer gerne selbstlobenden Kirchen: Nur etwa zwei Prozent der Ausgaben für Wohlfahrtspflege sollen aus Kirchengeldern stammen. Staatliche Zuschüsse von 95 Prozent bei Neubauten großzügiger caritativer Repräsentanzen sind nicht die Seltenheit. Solcher Segen würde den kleinen, zahlreichen Helferkreisen und Hilfsvereinen auch nicht schaden. Vermutlich würden Zuschüsse in diesen Einrichtungen eine effizientere Hilfswirkung erreichen, als in den großen Wohlfahrtsindustrien mit ihren riesigen Organisationsstrukturen.

Wir sind aber trotzdem stolz auf die Schaffung von fünf Vollzeitarbeitsplätzen, auf das Projekt "Schneider Ibrahim", auf die "Röhrenradio-Werkstatt", das Projekt "Hilfe für Fabian", auf über 600 Sachspenden an Hilfsbedürftige und mehr als 18.000 geleistete ehrenamtliche Stunden für Anleitung und Arbeitsintegration vonLangzeitarbeitslosen durch unsere ehrenamtlichen Helfer.

Leider mussten wir, bedingt durch knappe finanzielle Mittel, nach zwei Jahren aktiver Flüchtlingshilfe, eine harte Entscheidung treffen und uns wieder nur und ganz dem ursprünglichen Vereinszweck, der "Hilfe für Langzeitarbeitslose mit Mehrfachbelastung", zuwenden. Die Hilfe für Langzeitarbeitslose mit Mehrfachbelastung hat bei uns Vorrang. Diese Menschen werden zu oft vernachlässigt und benachteiligt.


Paul Rammelmeyr
1.Vorsitzender